DER ARCIPRESTE DE HITA UND DAS LIBRO DE BUEN AMOR (BUCH VON DER GUTEN LIEBE)

Juan Ruiz, Arcipreste de Hita (Erzpriester von Hita), war Geistlicher und studierte wahrscheinlich in Toledo. Er musste auf Anweisung von Don Gil de Albornoz, dem Erzbischof der Stadt, eine lange Gefängnisstrafe verbüßen. Seine Figur wird in seinem einzigen Werk Libro de Buen Amor (Buch von der guten Liebe) beschrieben. Das Buch ist in drei alten Handschriften erhalten und wird der Tradition des Mester de Clerecía zugeordnet; es handelt sich dabei scheinbar um eine persönliche und vielseitige Textsammlung, die ohne offensichtlich vereinheitlichende Absicht zusammengestellt wurde. Die Einheit wird durch die Figur des Autor erreicht, der sich in vorgetäuschter autobiographischer Art und Weise zu Wort meldet - möglicherweise angeregt von den literarischen jüdisch-arabischen Beispielen, wie El collar de la paloma (Das Halsband der Taube) und El libro de las delicias (Das Buch der Lüste).

Die Liebesabenteuer des Schriftstellers-Erzählers sind die argumentative Hauptachse, aber es werden ganz verschiedenartige Materialien eingeschoben: eine Sammlung von so genannten exiemplos - Fabeln und Erzählungen, die mehrheitlich auf Äsop zurückgehen -, eine freie Übersetzung der Ars Amandi von Ovid, eine narrative und frei übersetzte Nachahmung der lateinischen Komödie aus dem 12. Jahrhundert Pamphilus, und zwar im Abschnitt der Liebesgeschichten des Don Melón ("Herr Honigmelone") und der Doña Endrina ("Frau Schlehe"), durch Vermittlung der Kupplerin Trotaconventos. Dies ist die grundlegende Episode des Buches. Außerdem gibt es zwei Parodien sinnbildlicher Gedichte: die Schlacht zwischen Don Carnal ("Herr Fleischlich") und Doña Cuaresma ("Frau Fasten"), mit der Niederlage des ersten und anschließendem Frühlingsbeginn und dem triumphalen Empfang der Liebe.

Der Arcipreste schreibt leidenschaftlich und ausladend, sowohl in Bezug auf weltliche als auch religiöse und moralische Aspekte des Textes. Er lebt freudenvoll und liebt das Vergnügen; jedoch ärgert er sich gleichzeitig über Armseligkeiten oder den Tod. Auf gewisse Weise ist El libro de Buen Amor (Das Buch von der guten Liebe) ein karnevalistisches Werk, angestiftet vom spöttischen Karnevalsgeist. Dieser Geist lädt ein, das Leben zu genießen und Übertretungen dessen zu frönen, was als ernst gilt.

Der Abwechslungsreichtum bezüglich der Themen, des Stils und der Metrik (die so genannte "cuaderna vía" wechselt sich mit anderen Versen der so genannten Arte menor ab) rechtfertigt, den Arcipreste als Kleriker und Gaukler zu bezeichnen. Bocaccio und Chaucer gehörten zu seinen Zeitgenossen und in seinem Werk zeichnet er ein weites Bild der Gesellschaft seiner Zeit.

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